Verhaltensorientierte Arbeitssicherheit (Behavior Based Safety, BBS)
Obwohl es der Eindruck vieler Verhaltensanalytiker, die sich mit BBS beschäftigen, ist, dass das Durchführen von Beobachtungen zu einer Verbesserung der Arbeitssicherheit bei den Beobachtern selbst führt, gab es dafür bislang noch keinen wissenschaftlichen Nachweis. Alvero und Austin (2004) berichten von einer Studie, bei der sie unter Laborbedingungen die bei BBS beteiligten Prozesse simulierten. An einer ersten Studie nahmen 12 Studenten teil, die in einem Büro bestimmte Tätigkeiten ausüben sollten, so u.a. telefonieren, tippen, ein Objekt heben u.ä. Während der ganzen Studie wurde das Verhalten der Teilnehmer hinsichtlich acht Kriterien beurteilt (Haltung des Rückens oder der Handgelenke usw.). Während der Erhebung der Ausgangsdatenerhebung sollten die Teilnehmer diese Tätigkeiten lediglich ausführen. In der zweiten Phase des Experiments erhielten die Studenten eine Liste mit vier der acht Kriterien (in einer Gruppe – A – handelte es sich um die Kriterien 1 bis 4 in der anderen – B – handelte es sich um die Kriterien 5 bis 8), inklusive einer detaillierten Beschreibung, wie man die Verhaltensweisen sicher ausführt. Die Teilnehmer änderten in dieser Phase ihr Verhalten noch fast gar nicht; das heißt, wissen, wie man etwas sicher macht, bedeutet nicht, es wirklich sicher machen. In einer weiteren Phase sollten die Teilnehmer mit einer Beobachtungspunktekarte Beobachtungen der entsprechenden Verhaltensweisen anhand von Videobändern, die (angeblich) einen anderen Teilnehmer zeigten, durchführen. Diese Beobachtungen wurden unmittelbar bevor die Teilnehmer an ihre „Arbeit“ gingen, durchgeführt. Zunächst wurden nur die vier Kriterien beobachtet, die den Teilnehmern schon aus den Beschreibungen bekannt waren, dann auch die anderen vier Kriterien. Nun änderte sich das Verhalten und zwar in Abhängigkeit davon, ob es durch die Teilnehmer bei anderen beobachtet wurde. Die Teilnehmer legten im Schnitt um die 70% an sicherem Verhalten zu.
In einer zweiten Studie sollten vier Teilnehmer Beobachtungen durchführen, vier andere sollten Feedback erhalten, um so die relative Wirkung von Beobachten vs. Feedback-Erhalten zu bestimmen. Die Untersuchungsbedingungen waren wieder dieselben, wie in der ersten Studie mit dem Unterschied, dass die Teilnehmer der Feedback-Gruppe eine schriftliche Rückmeldung über den Anteil sicheren Verhaltens bei ihnen selbst erhielten. Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass Beobachten und Feedback-Bekommen dieselbe Auswirkung auf den Anteil sicheren Verhaltens haben.
Interessant war hier noch der Unterschied zwischen den einzelnen Verhaltensweisen. So zeigte sich hier, dass die korrekte Position beim Lastenheben schon sehr stark durch die Information über das sichere Verhalten beeinflusst wurde. Alvero und Austin erklären diesem Befund damit, dass dieses Verhalten sich leicht bei sich selbst kontrollieren lässt, wohingegen bei den meisten andern Verhaltensweisen die „Außenansicht“ – das Beobachten des korrekten und inkorrekten Verhaltens bei anderen – nötig ist, um sich selbst sicher verhalten zu können.
Die Autoren regen an, immer möglichst alle Mitarbeiter als Beobachter zu schulen, da alleine das Durchführen von Beobachtungen die Arbeitssicherheit der Beobachter zu erhöhen scheint (wenn auch eine Bestätigung dieses Befundes noch aussteht).
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