Verhaltensorientierte Arbeitssicherheit (Behavior Based Safety, BBS)
Manchmal ist ein Selbstbeobachtungsprozess die einzige Möglichkeit, z.B. wenn die Mitarbeiter allein arbeiten oder wenn die Mitarbeiter sich sehr gegen die Vorstellung, beobachtet zu werden, sträuben. Ein Selbstbeobachtungsprozess ist wesentlich leichter zu implementieren als der „normale“ BBS-Prozess. Der Mitarbeiter muss bei der Selbstbeobachtung im wesentlichen drei Fragen beantworten:
Was muss ich tun?
Der Mitarbeiter muss sie Handlungen auflisten, die er ausführen muss, um seine Aufgabe sicher zu erledigen.
Wie tue ich es?
Er muss eine Methode der Selbstbeobachtung entwickeln, bei der diese Handlungen abfragt. Hierzu braucht er ein Prompt, einen Hinweis, dass er jetzt eine Selbstbeobachtung durchführen muss, z.B. durch einen Timer (wie man sie für die Einnahme von Medikamenten verwendet) oder der Anruf eines Kollegen über das Mobiltelefon. Sodann füllt er eine Prüfliste mit den kritischen Verhaltensweisen aus. Die Hauptsorge ist, dass die Mitarbeiter „schummeln“ könnten, wenn sie sich selbst beobachten. Zu Beginn kann das durchaus der Fall sein, wenn sie aber bemerken, dass die Daten anonymisiert werden und nicht gegen sie verwendet werden, werden die Beobachtungen erstaunlich akkurat.
Was bringt mir das?
Üblicherweise sind wir uns unserer Gewohnheiten nicht bewusst. Der Prompt zur Selbstbeobachtung lenkt die Aufmerksamkeit darauf, wie wir etwas tun. Die Verstärkung stellt sich dadurch ein, dass man selbst die Fortschritte, die man macht, beobachtet. Hinzu kommen die Anerkennungen an Teams, die auch im Fremdbeobachtungsprozess für Fortschritte vergeben werden. Die größte Herausforderung ist es, die Mitarbeiter dazu zu bringen, überhaupt erst mit den Beobachtungen zu beginnen.
Bei der Einführung eines Selbstbeobachtungsprozesses sollte zunächst ein Sicherheitsbeauftragter für die Arbeitsgruppen eingesetzt werden, dessen Aufgabe es ist, die Selbstbeobachtungen zu veranlassen und über die Fortschritte mit dem Team zu sprechen. Wenn es keine Arbeitsgruppen gibt, kann es sinnvoll sein, mehrere Arbeiter, die zur gleichen Zeit arbeiten, zu einer Gruppe zusammenzufassen. Jeder Arbeiter erstellt eine Liste der sicheren Arbeitshandlungen. Dabei sollten sie auf Berichte über frühere Vorkommnisse zurückgreifen und zusammen eine prototypische Liste erstellen. Die Mitarbeiter müssen prüfen, ob die Verhaltensweisen klar definiert sind. Bei einem Selbstbeobachtungsprozess kann es sich auch um Verhaltensweisen handeln, die von anderen nicht beobachtet werden können, wie z.B. „Gedanken sind bei der Arbeit“; es genügt, wenn der Ausführende selbst das beobachten kann. Die ersten Beobachtungen stellen die Vergleichsgrundlage für den weiteren Prozess dar. Die Ergebnisse der weiteren Beobachtungen sollen baldmöglichst in die Grafiken übertragen werden, die für jeden Arbeiter zugänglich sind.
Da die Teilnahme am Selbstbeobachtungsprozess absolut freiwillig ist (etwas anderes würde keinen Sinn machen), muss besonderes Gewicht auf die Anerkennung der Beobachtungsteilnahme gelegt werden. Eine besondere Rolle spielt dabei das Misstrauen, das einige Mitarbeiter haben, dass die Daten gegen sie verwendet werden könne. Sobald sie bemerken, dass die nicht der Fall ist, lässt sich oft beobachten, dass die Teilnahme an den Beobachtungen ansteigt, aber die Anteile sicheren Verhaltens zunächst sinken. Die Mitarbeiter vertrauen dem Prozess und berichten wahrheitsgemäßer. Die Anerkennung sollte daher in den ersten zwei Monaten immer für die Teilnahme vergeben werden, nicht für Fortschritte. Alles in allem ist es beim Selbstbeobachtungsprozess enorm wichtig, bei der Anerkennung der Leistungen innovativ kreativ zu sein, denn es hängt alles an der freiwilligen Teilnahme der Mitarbeiter.
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